Der erfolgreiche Fotograf Yorck Dertinger hat nach Stationen in New York und München in Schondorf seine Heimat gefunden. Dort faszinierte ihn von Anfang an die lebendige alternative Szene. In seinem Langzeitprojekt „Auch Bayern“ porträtiert er Künstler, Außenseiter und Konsumverweigerer in Schwarz-Weiß.
Für „Leben in Blasen“ habe ich ein älteres Werk aus dem Jahr 2010 ausgewählt – und doch wirkt es heute aktueller denn je. Die fotografische Performance entstand im Rahmen eines Straßentheatefestivals in Krakau und zeigt zwei Körper, eingeschlossen in einer transparenten Kunststoffblase.
Sichtbar und gleichzeitig abgeschirmt, nah beieinander und doch voneinander isoliert – eine Szene, die sich für mich heute fast wie eine Metapher für den gesellschaftlichen Zustand lesen lässt.
In unserer heutigen Zeit gibt es viele Spaltungen in der Gesellschaft. Menschen ziehen sich oft in ihre eigenen auch digitalen Welten zurück, sogenannte „Bubbles“. Diese Blasen können Schutz geben – aber sie können auch dazu führen, dass wir uns von anderen abschotten. Sie schaffen Nähe, aber auch Ausgrenzung.
Die Frage ist: Wer gehört zu unserer Blase – und wer nicht? Wen nehmen wir wahr, und wer bleibt unsichtbar? Die Arbeit beschäftigt sich mit den Übergängen zwischen Körper, Raum und Gesellschaft. Gerade heute mit der Digitalisierung spüren wir diese Grenzen und Verbindungen besonders stark. Algorithmen entscheiden mit, was wir sehen und glauben. Politische Gruppen entfernen sich voneinander. Viele Menschen bleiben lieber in ihrer eigenen Komfortzone.
Das Bild stellt wichtige Fragen: Wie wollen wir als Gesellschaft zusammenleben? Wie viel Nähe ist echt – und wie viel nur scheinbar? Es fordert uns auf, unser Miteinander neu zu überdenken.
Ich kandidiere aktuell für den Gemeinderat, weil ich meinen Ort Utting am Ammersee aufmerksam wahrnehme und mitgestalten möchte.
Als Fotograf bin ich es gewohnt, genau hinzusehen: auf das, was im Alltag oft übersehen wird, auf kleine Veränderungen, auf Stimmungen auch im öffentlichen Raum.
Mein Augenmerk liegt verstärkt auf die Bereiche Kunst, Kultur und Gemeinwohl.
Kunst und Kultur sind für mich kein Luxus, sondern eine Investition in die Lebensqualität unseres Dorfes.
Kultur zeigt, wie Menschen zusammen leben. Sie hilft uns, einander zu verstehen, respektvoll zu sein und gut miteinander auszukommen. Gemeinwohl beginnt dort, wo Entscheidungen fair, nachvollziehbar und gemeinsam mit Blick auf die Menschen vor Ort getroffen werden. Dabei ist Transparenz die Grundlage für Vertrauen.
In meine mögliche Gemeinderatsarbeit möchte ich meinen Blick einbringen: durch zuhören, nachfragen, Zusammenhänge sichtbar machen und Verantwortung übernehmen – gemeinsam und auf Augenhöhe.
Diese fotografische Serie erkundet Venedig jenseits seiner ikonischen Postkartenmotive. Statt nach dem Erwartbaren zu suchen, richtet sich der Blick auf das, was im Alltag der Stadt meist übersehen wird: jene flüchtigen Momente, die sich nur im Vorübergehen zeigen.
Die Bilder entstehen ohne Plan, ohne Ziel – gefunden statt gesucht.
Venedig dient dabei nicht als Bühne, sondern als lebendiger Resonanzraum: bröckelnde Fassaden, zufällige Formen und Szenen.
Hier steht nicht das große Motiv im Mittelpunkt, sondern die feinen Spuren des Alltäglichen. Fragmente, die erst durch genaues Hinsehen Bedeutung gewinnen und die Stadt in einer anderen, ruhigeren Tonlage lesbar machen.
Die Serie versteht Fotografie als poetischen Akt: eine Einladung, Venedig nicht zu „sehen“, sondern zu entdecken – im Gehen, im Sehen, im Vorübergleiten. Ein visuelles Skizzenbuch eines Ortes, der im Unspektakulären seine subtilste Schönheit zeigt.
vorbei.thüringen ist eine Einladung, das Vertraute mit anderen Augen zu sehen – und Thüringen als offenen Raum zu lesen, jenseits der großen Erzählungen.
Diese fotografische Serie ist eine Skizze des absichtslosen Sehens.
Eine Bewegung durch Weimar, Apolda und Erfurt – Städte, die nicht dargestellt, sondern durchstreift werden. Ohne Karte. Ohne Ziel. Nur mit Blick.
Die Bilder entstehen unterwegs.
Sie sind flüchtig, leise – stellen keine Fragen, geben keine Antworten.
Das Fotoprojekt untersucht den Reiz des Unscheinbaren. Es sammelt visuelle Fragmente aus urbanen und kulturellen Räumen – Fassadendetails, Spiegelungen, Zufallsformen – und macht sichtbar, was sonst im Vorübergehen verschwindet. Im Fokus steht nicht das große Motiv, sondern die feinen Spuren des Alltäglichen: Orte, an denen Bedeutung erst durch genaues Hinsehen entsteht.
vorbei.thüringen ist kein klassisches Dokument. Keine Chronik.
Sondern ein poetischer Versuch, das Alltägliche neu zu lesen – als Text, der sich im Moment zeigt. Im Innehalten. Im Gehen. Im Sehen.
Eine Art visuelle Meditation – und vielleicht auch ein Gegenvorschlag: Thüringen nicht als politische Projektionsfläche zu betrachten, sondern als Raum stiller Gegenwart.
Wir sind jetzt hier! Sieben junge Männer erzählen in die Kamera vom Ankommen in Deutschland – von lustigen und beglückenden Momenten und von Momenten tiefster Verzweiflung, von ihren Ängsten und wie sie mit ihnen umgegangen sind, von Rassismus und von der Liebe.
Die Geschichten der Männer zeigen die emotionalen Turbulenzen, die Flucht und der Neustart in einem fremden Land mit sich bringen und sie erzählen viel darüber, was es in den nächsten Jahren braucht, damit Integration gelingt.
Im Anschluss nach dem Film folgt ein Interview mit Niklas von Wurmb Seibel und „angekommenen“ Flüchtlingen aus der Region.
Ausstellung „Modern Times“ anlässlich der 25. Lange Kunstnacht Landsberg am Lech ein.
Am 20. September 2025, wenn sich die Türen zur Langen Kunstnacht öffnen, eröffnen wir vom RBK um 18 Uhr im historischen Rathaus Landsberg unsere neue Ausstellung „Modern Times“.
45 künstlerische Positionen in Malerei, Skulptur, Fotografie, Zeichnung, Ton, Druck, Montage, Assemblage, Collage und Digital Art – zwischen Zeitgeist, Reflexion und Aufbruch.
Historisches Rathaus Landsberg Stiller Gang & Gewölbekeller Hauptplatz 152, Landsberg am Lech
Ausstellung geöffnet vom 21. September bis 5. Oktober 2025 Dienstag bis Sonntag, jeweils 14 – 17 Uhr (Am 3. Oktober bleibt die Ausstellung geschlossen.)
Zwischen Anfang 2020 und Anfang 2024 fanden auch leise Töne Eingang in mein visuelles Tagebuch: 49 Monate, in denen sich Welt und Leben veränderten. Von den ersten stillen Tagen der Pandemie bis zur überstandenen Herzerkrankung begleiteten mich diese flüchtigen Aufnahmen wie kleine Atempausen.
49-mal vorbei mit dem Smartphone eingefangen – beiläufig, im Vorübergehen. Es entstehen Bilder, ohne Inszenierung und Filter, ein Mosaik persönlicher Erinnerungen, ein Streifzug durch die Zwischenräume des Alltags, wo das Flüchtige und das Persönliche sich berühren.
Die Serie besteht aus neunundvierzig Bildern, jeweils im Format 20×20 cm, und folgt einem festen Rhythmus: Jeden Monat wähle ich ein Bild aus meinem visuellen Tagebuch aus.
Rückkehr zur Langsamkeit und Tiefe
Einige dieser Aufnahmen habe ich früher als spontane Notizen im digitalen Raum über soziale Medien wie Facebook, Instagram oder WhatsApp geteilt. Überraschend tauchte aus den Tiefen des Netzes jemand auf, der auf jedes Bild mit einem eigenen antwortete– ein Frage-und-Antwort-Spiel in Bildern. In der pandemiebedingten Distanz entstand so die Begegnung mit Thorsten Fuhrmann auf Facebook– und daraus entstand unser gemeinsames Projekt „opposites and dialogues“, das schließlich als kleines Heft im Icon Verlag erschien.
Inzwischen habe ich mich aus diesen Plattformen wieder zurückgezogen. Diese Ausstellung ist eine bewusstere Form des Teilens– analog, entschleunigt und persönlich.
Es sind keine spektakulären Motive, sondern stille Beobachtungen: Oberflächen, Schatten, Linien, Licht, Urbanes Terrain, Naturfragmente, Spuren von Menschen. Die Bildsprache bleibt offen – poetisch, manchmal rätselhaft – und lädt zur eigenen Interpretation ein.
49-mal vorbei ist Einladung und Experiment zugleich: Was bleibt, wenn man die Welt nur im Vorbeigehen sieht? Es fordert dazu auf, den Blick für das Alltägliche zu schärfen und die Schönheit im Gewöhnlichen zu entdecken.
Ich freue mich auf die Möglichkeit, dieses Projekt weiterzuentwickeln und in Ausstellungen zu teilen.
Eine fotografische Annäherung an das Unspektakuläre
Die Serie Augenreise Wien versteht sich als visuelles Skizzenbuch einer Bewegung durch den urbanen Raum – einer Bewegung, die weder Ziel noch Richtung kennt, außer jener des Sehens.
Im Mittelpunkt steht das flüchtige Bild: nicht gesucht, nicht komponiert, sondern gefunden – im Vorbeigehen. Es sind Momentaufnahmen eines aufmerksamen Blicks, der das vermeintlich Nebensächliche ins Zentrum rückt. Fassadenfragmente, Lichtreflexe, Spiegelungen, zufällige Konstellationen – Spuren des Alltags, die sich oft unserem bewussten Blick entziehen.
Die fotografische Geste ist hier nicht dokumentarisch im klassischen Sinn, sondern poetisch: eine Einladung zum Innehalten, zum Wiederentdecken des Alltäglichen. Wien wird nicht abgebildet, sondern neu gelesen – als offener Text, der sich im Gehen, im Sehen, im Vorübergehen entfaltet.
So versteht sich Augenreise Wien auch als Kommentar zur Praxis des Sehens selbst – und als Hommage an die stille Präsenz der Stadt.